100.000 Impfungen in elf Monaten: Der Kampf gegen Meningokokken B

 Sie sind für 85 Prozent der Meningokokken-Erkrankungen bei Säuglingen verantwortlich und in der Gesamtbevölkerung für immerhin 70 Prozent: Meningokokken-B-Bakterien sind hochgefährlich. Sie verursachen Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Blutvergiftungen (Sepsis) und können binnen 24 Stunden zum Tode führen.

In Deutschland erkrankten in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich 506 Menschen jährlich an einer invasiven Meningokokken-Erkrankung, etwa zehn Prozent von ihnen starben.

Eine Ansteckung kann zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder zu einer bakteriellen Blutvergiftung (Sepsis) führen. In manchen Fällen tritt beides gleichzeitig auf. Eine Komplikation der Blutvergiftung durch Meningokokken ist der septische Schock, das sogenannten Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom, an dem ein Drittel der Betroffenen verstirbt.

Nicht alle Krankenkassen übernehmen die Kosten

Nach den Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission) erfolgt im 2. Lebensjahr zwar eine einmalige Impfung gegen Meningokokken der Gruppe C, die bis zu 25 Prozent der Erkrankungen verursachen. Doch die Empfehlung für den Impfstoff gegen die B-Bakterien steht noch aus, obwohl sie von Kinderärzten aus ganz Deutschland gefordert wird. Denn dieser Impfstoff (Bexsero) ist zwar seit einem Jahr zugelassen, doch ohne Empfehlung der STIKO liegt das Impfrisiko beim Geimpften bzw. den Eltern des Kindes, zudem ist die Impfung keine Regelleistung der Krankenkassen. Dennoch: Seit seiner Einführung im Dezember 2013 wurden in nur elf Monaten 100.000 Impfungen mit Bexsero durchgeführt und mittlerweile haben bereits 69 Krankenkassen bestätigt, die Kosten für die Impfung ganz oder anteilig zu übernehmen.

Amerikanische Studie: Höhere Meningokokken-Gefahr nach Influenza?

In Deutschland treten durch Meningokokken verursachte Sepsis- und Meningitis-Fälle oftmals in der kalten Jahreszeit auf. Eine amerikanische Studie will jetzt einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und Influenza festgestellt haben. Es gibt einige Hinweise darauf, dass bestimmte Grippeerreger, Influenza-Viren der Gattung B, die Anhaftung der Meningokokken B in der Nasenschleimhaut erleichtern.

Nach Grippewelle stiegen auch die Meningokokken-Erkrankungen an

Die amerikanischen Wissenschaftler haben bei der Auswertung von Daten der Jahre 1989 bis 2009 festgestellt, dass zwei Wochen auf den Gipfel einer Grippewelle meist ein Ansteigen der invasiven Meningokokken-Erkrankungen – gemessen an den Krankenhauseinweisungen – erfolgte. Bisher war bekannt, dass Grippeviren zusätzliche Bakterieninfektionen begünstigen können – die sogenannten Superinfektionen.

 


(BM 2014/12)




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